01.April´14 – Von Liebe und Leiden.Umgang mit Trauer und Verlust

01.April 2014: Vom Umgang mit Trauer und Verlust, von Liebe, Tod und Leiden.

Am vorletzten Dienstag der Reihe “Prozessorientierte Heilkunde” beschäftigen wir uns mit dem wichtigen und häufigen Thema und Problem der Trauerarbeit und des Umgangs mit Liebe, Tod und Leiden.

Wir sprechen von persönlicher Erfahrung, von Praxiserfahrungen und Möglichkeiten zur Lösung von Trauer und Leid, zum Beispiel unsere 3 grossen homöopathischen Notfallhelfer Natrium muriaticum, Aurum metallicum und Ignatia amara.

An dieser Stelle ein Auszug aus dem Skript für den Abend:

Trauer und Verlust

“Trauer ist der stärkste Stress, den ein Mensch überhaupt erfahren kann.”

(Collin Murray Parkes, Psychoanalytiker)

“Wir definieren uns über unsere Bindungen – der Tod eines geliebten Menschen erschüttert uns daher in unserem Selbstbild.”

(Verena Kast, Psychotherapeutin)

Trauerarbeit

Erstmalig von Sigmund Freud eingeführt – im Sinne der Libido- und Triebtheorie – Wechsel von “Die Zeit heilt alle Wunden” zu einem Verständnis als aktiver Prozess – der Trauernde kann und muss gestalten – Schwerstarbeit für die Seele

Die Phasen des Trauerns nach Verena Kast

Nicht-wahrhaben-wollen

Der Trauernde steht unter Schock, ist erstarrt. Man will die Tatsache des Todes nicht wahrhaben, ist quasi empfindungslos. Diese allererste Phase kann einige Stunden bis zu einer Woche andauern. Bei unerwarteten Todesfällen zieht sich diese Phase eher länger hin, also über mehrere Tage, so die Forschungen des Psychoanalytikers John Bowlby.

Aufbrechende Emotionen

Zorn, Ohnmacht, Angst, Schuldgefühle, Trauer: In dieser Phase brechen die Gefühle auf. Oft wird ein Schuldiger für den Tod des geliebten Menschen gesucht. Bei Menschen, deren Angehöriger Suizid begangen hat, richtet sich der Zorn der Angehörigen nicht selten direkt gegen den Selbstmörder. Besonders heftig, so Verena Kast, sind die Gefühlsausbrüche Angehöriger nach dem Verlust von Menschen, die jung und plötzlich sterben.

Sich-Trennen

Die Aufmerksamkeit des Trauernden richtet sich auf Orte, die der Verstorbene geschätzt hat oder auf Tätigkeiten, die dieser gerne hatte. Man “sucht” nach dem Verstorbenen – in anderen Personen oder indem man alte Gewohnheiten von ihm übernimmt. Viele Trauernde beginnen, ein inneres Zwiegespräch mit dem Verstorbenen zu führen. Verläuft die Trauer gut, kann man sich allmählich vom Verstorbenen lösen. Es passiert aber auch, dass Trauernde ein Zweitleben mit dem Verstorbenen führen, nichts ändern an Einrichtung und Gewohnheiten. Und sich damit mehr und mehr aus dem Leben zurückziehen.

Neuer Selbstbezug

Die Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs beginnt damit, dass der Verstorbene für den Trauernden eine “innere Figur” geworden ist, ein innerer Begleiter. Der Verlust ist akzeptiert. Neue Beziehungen werden möglich.
Wird der innere Begleiter aber zur zweiten Persönlichkeit, das heißt, lebt man quasi das Leben des Verstorbenen, ist diese Phase nicht erfolgreich bewältigt.

(Quelle:Verena Kast, Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses, Stuttgart 1982)

Ich freue mich auf Ihr/Dein Kommen.
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen. Danke.
(Wir beginnen um 19.30 Uhr, im Roten Salon des Zentrums
für Therapie, Tanz und Gestaltung in Tübingen.)

Fabian Strumpf & Katrin Kittelberger