Lac Ursinum – die homöopathische Braunbärenmilch Teil 1

Arzneimittelbild

„Lac ursinum“ – Die Milch der Bärenmutter von Georg M. Kissling
(veröffentlicht in SVH Folio Ausgabe 3/2012, Verbandszeitschrift
des Schweizer Homöopathie Verbands)

Fabian Strumpf ist von Statur und Stimme her ein „Bär“. Er hat sich intensiv mit zwei Milchmitteln auseinandergesetzt und trägt hier seine Erfahrungen vor. Er erzählt, wie er sich über die Begegnung mit der „Wolfsmilch“ (Lac lupinum), ausgehend von einem Traum, dazu entschloss, sich auch dem Bären näher zuzuwenden – in der Homöopathie ist „Bärenmilch“ (Lac ursinum) eine bislang fast unbekannte Arznei.

So führt er in die Natur und Lebensweise des Bären ein, in dessen Eigenarten und  Charakteristika und seine Angst vor dem (Jagd-)Hund. Was bedeuten diese Merkmale in  Bezug auf den Menschen, der „Lac ursinum“ als Arznei benötigen könnte? Fabian Strumpf hat die Bärenmilch homöopathisch geprüft und entdeckte dabei aufschlussreiche  Phänomene, Aspekte und Themen. Ein zentrales Thema scheint der Einzelgänger im  Rudel zu sein – wie man ihn gehäuft in bestimmten Jugendszenen antreffen kann. Fabian Strumpf praktiziert Homöopathie in Berlin und hat einen schamanischen Hintergrund. Seine Arbeit, die wir hier u. a. wiedergeben dürfen, ist auch als Hörbuch erschienen im  Verlag Homöopathie + Symbol von Martin Bohmhardt wo es auch weitere interessante Fachpublikationen zu finden gibt! www.homsym.de – www.fabianstrumpf.de
Ab Juni 2013 bietet Fabian Strumpf Kurse in Basel an. Weitere Informationen unter:
www.wochenendausbildung-homoeopathie.ch

Der Bär als „Hüter und Heiler“

Der Bär ist ein Winterschläfer und ein Einzelgänger. Im Sommer ist er unentwegt auf der  Suche nach Nahrung. Während die Bärenmutter mit der Aufzucht der Jungtiere  beschäftigt ist, zieht der erwachsene Bär die Einsamkeit vor und lebt von seinem  Nachwuchs getrennt.
Der Braunbär (Ursus arctos) benötigt ein ausgedehntes Jagdgebiet. Seit einigen Jahren ist  er wieder zurück in der Schweiz. Häufig entstehen, meist aus menschlichem  Fehlverhalten, Missverständnisse bei der Nahrungsbeschaffung der Tiere. Eine Annäherung von Bären an die zivilisierte Umwelt der Menschen endet heute oft tödlich für die Tiere. Speiseresten aus frei zugänglichen Nahrungsabfallquellen riecht ein Bär aus grösster Distanz.

„Milchmittel“ in der Homöopathie

Milchmittel haben sich in der Praxis als effiziente Arzneistoffe ausgewiesen. Die  Erfahrungen mit Carcinominum Burnett, welches aus pathologisch verändertem  Drüsengewebe der menschlichen Mamma als Sarkode im 19. Jahrhundert in die  Homöopathie eingeführt wurde, haben sich wiederholt günstig ausgewiesen bei unklar  indizierten Fällen auf hereditär kanzerinischem Terrain. In den letzten Jahren sind die  Milchmittel allerdings neu erforscht ausgearbeitet und differenziert worden. Es hat sich  herausgestellt, dass die Milch als Grundnahrungsquelle von Säugetieren zu deren Gattung  bekanntlich auch die Menschen gehören, fundamentale Anteile des Lebens beinhaltet und ausdrückt.Sowohl in gesunden Qualitäten wie Lebenskraft, Sicherheit, Geborgenheit, Selbstzufriedenheit, Ausgeglichenheit; wie auch in den pathologischen Veränderungen hin zu Unsicherheit, Zweifel, Diskrepanz, und Spaltung.

Die sprudelnde „Kraftquelle“

Der Bär ist ein furchtloses, majestätisches Tier, das Fahnen und Wappen schmückt.  Repräsentanten aus der Familie der Bären sind global beheimatet und ursprünglich auch  in ganz Europa verbreitet. Er wurde jedoch in unserem Lebensraum vom Menschen  beinahe ausgerottet. Und doch hat der Bär in fast jedem Kinderzimmer als Teddybär Eingang gefunden. Meister Petz ist ein Allesfresser, der sowohl von Fleisch als auch von einer reichhaltigen Pflanzenkost lebt. Er ist ein scheuer Einzelgänger, der Begegnungen mit den Menschen weitgehend meidet. Im Winter ziehen sich die Bären in Höhlen zurück, wo sie Winterruhe halten. Dort bringt die Bärin meist zwei Junge zur Welt. Von Frühjahr bis Herbst sind die Bären stets hungrig und auf Nahrungssuche. Einer seiner grössten Leckerbissen ist der Bienenhonig. Gelegentlich reisst er auch Grosssäuger wie Reh-wild oder Schaf und kann damit Schaden anrichten. Auch wenn sie oft als furchteinflössend dargestellt werden sind Bären eigentlich scheu und ergreifen aufgrund ihres äusserst feinen Geruchssinns, schon lange bevor Menschen sie sehen können, die Flucht.

„Botschaft“ des Bären

Die Botschaft des Bären ist für den modernen Menschen eine Erinnerung an Wurzeln, nach denen er sich sehnt, da sie ihm beinahe verlorengegangen sind. Bärenkraft bezeichnet die Verbindung zu unsern Urwurzeln. Sie erinnert uns an unsere irdische Herkunft, zeigt uns den Weg durchs menschliche Leben und sie verbindet uns mit unserer menschlichen Bestimmung. Steinaltäre mit grossen Mengen von Bärenknochen zeigen, dass der Mensch in seiner Urgeschichte den Bären verehrt haben muss. Wenn Sie der Bär „berührt“, dann
möchte er Sie an Ihre Wurzeln erinnern. Haben Sie den Mut, nach der Süsse Ihrer irdischen Wahrheit zu suchen, nach den Leckerbissen Ihres Daseins, genau wie der Bär den Mut hat, den Honig wilder Bienen aufzuspüren und zu stehlen. Aus Ängsten, Mustern, Erfahrungen, Problemen und Dramen holt sich das neue Leben den Boden für die individuelle Entwicklung. Nur dank dem Leben ist Entwicklung, Wachsen und Werden auf Erden überhaupt möglich. Genauso, wie wir den Bären aus unseren Wäldern vertrieben haben, versuchen wir uns von unseren Ahnen und ihren Erfahrungen zu distanzieren und zu befreien. Der Mensch muss dabei aber auch auf die Gesetze der Natur achten und mit ihnen zu leben und den inneren sowie den äusseren Raubtieren ihren Platz zugestehen. Mit der Rückkehr des Bären wird eine neue Achtung und Respekt vor unseren Vorfahren ins Bewusstsein gerückt.

Ist der Bär also ein Tier, welches Sie berührt, dann kehren Sie mutig und bewusst zu den starken und schwachen Ausdrücken Ihrer eigenen menschlichen Wurzeln zurück. Tauchen Sie ein ins natürliche Bewusstsein des menschlichen Daseins. Lassen Sie Instinkt, Intuition, Neugierde und Lebenskraft zu den Werkzeugen werden, die Ihren Hunger nach Leben lenken und die Sie immer neue Freuden empfinden und Erfahrungen machen lassen. Achten Sie darauf, wann es Zeit wird, in die tiefe, innere Dunkelheit zu sinken, um von den gemachten Erfahrungen in der Stille und Ruhe zu zehren. Es sind die Phasen der Verarbeitung, des Verdauens. Eine Zeit, die Ihnen durch die Beobachtung des eigenen Ich
geschenkt wird, um Themen und Prozesse zu beenden und zu erlösen. Oft wird Neues dabei kontemplativ ganz geheim und unscheinbar geboren. Auch in Ihrem Leben wird der Zeitpunkt wiederkommen, wo ein neuer Erfahrungshunger Sie aus Ihrem Inneren zwingt und Sie werden dann erkennen, welche Kräfte Sie durch Ihren neuen Bärensommer begleiten werden. (Regula Meyer, „tierisch gut“, Tiere als Spiegel der Seele, Die Symbolsprache der Tiere, Arun Verlag.)

Der „Grosse“ Bär

Der Grosse Bär ist eines der wichtigsten Sternbilder; er zeigt zum Nordstern, einem wichtigen Orientierungspunkt in der Seefahrt. Bärennamen wie Urs, Ursula, Ursina Bernhard, Bernd, Bertram, Björn, verweisen auf die Verehrung des Menschen für seine Stärke, Tapferkeit, Ruhe und Kraft, mit der er schützen, halten, tragen und ertragen kann. Den „Bären“ findet man in vielen indianischen Stammeskulturen, bei den Hopi hütet der Bären-Clan die Bärenzeremonien. Der Bär ist ein mächtiger Schutzpatron und wird von den Schamanen und Heilern der arktischen Stämme der Keresan, Tewa, Zuni und Chippewa in Visionssuchen und Heilzeremonien angerufen, den Ritualen beizuwohnen.

Bären gelten als Beschützer der Kinder, des Waldes und der Natur, sie setzen sich für den Ausgleich von Unrecht jeder Art ein. In einigen Erzählungen und Legenden wird dem Bären nachgesagt, dass er niemals irre. In Sibirien gilt der Bär als spiritueller Lehrer, Schamane und mythischer Vorfahre. Der Bär war ein beliebtes Emblem und  Wappenzeichen, schon weil man ihn als König der Tiere des Waldes sah. Des Bären Rat und Tat wurden hochgeschätzt. Bärengeschichten und Erzählungen zählen zu den Einweihungsmythen; der Bär verweist auf den alten Pfad der grossen Göttin. In der Mythologie ist er ihr zugeordnet, da er gemäss den Zyklen der Natur lebt und Erde und Leben beschützt. Er war der griechischen Mondgöttin Artemis (röm: Diana) geweiht; die keltische Mondgöttin Berne wurde als Bär dargestellt, ebenso Thor in der nordischen Sagenwelt, wohin auch die Bären Atli und Atla gehören, welche die Pole männlich und weiblich symbolisieren. Dem Bär ist die Rune Thurisaz, der Torweg, zugeordnet. Sie steht für Stärke, Ruhe, Innenschau, Rückblick, Innehalten, bevor man weitergeht, einen neuen Zyklus, Verteidigung, unbewussten Willen und Triebkraft. Sie bewirkt die Umsetzung des Willens in Handlung und die Vorbereitung für die weitere Entwicklung in allen Bereichen.

Bärenstark im braunen Fell,
beschütze ich Mutter Natur

Von Gevatter Bär gibt es ja eine Spur,
folge ihr nur in das Innere der Höhle.
Denn im Innern, da liegt die Welt der Weisen,
hier beginnen die mystischen Reisen.
Tauche ich auf, so prüfe ich den Verlauf,
weihe dich ein in die mystischen Kreise,
die Zyklen und Spiralen der alten Weise.
Ich schütze das, was zu schützen ist,
zeig dir die Tatzen, wer du auch bist.
Kommst du in Frieden,
so führe ich dich,
versorge dich im Sein,
decke auf Verblendung und Schein.
Kraft in der Ruhe, aus der Mitte Stärke,
so gehen wir gemeinsam zu Werke.
Den Herzschlag der Mutter,
du hörst ihn in dir,
es ist deine Intuition, vertraue ihr!
Ich zeig dir die Süsse des Lebens,
den goldenen Honigsaft,
darin liegt ein Teil meiner Kraft.

„Bärenmedizin“

Der Bär verleiht die Fähigkeit, in der inneren und äusseren Welt zu sein, nach innen zu gehen und seinen Standpunkt unabhängig von anderen zu formulieren. Er ist ein guter, schützender Begleiter in vielerlei Hinsicht. Bärenmedizin gilt als stark, genau, konzentriert, man zollt ihr hohe Achtung und grossen Respekt. Um sich zu regenerieren, eine Lösung oder eine Antwort zu finden, brauchen Menschen mit Bärenkraft nichts als ihre Bärenhöhle, Ruhe und Schlaf oder einen Gang alleine in den Wald, der Rest erledigt sich von selbst. In der Zeit des Rückzugs und der Ruhe, während deren sie über ihre Träume in die Anderswelten eingeweiht werden, empfangen sie Botschaften, die sie, wenn die Zeit reif ist, in die Welt geben. Der Bär zeigt, dass alles in uns selber liegt und dass es wichtig ist, sich auf den Herzschlag zu konzentrieren, unserem Inneren zu lauschen. Hier gestalten wir unsere Welt, bereiten Veränderungen vor und erschaffen neues, hier finden wir Antworten und Lösungen. Zur Bärenmedizin gehört die Kraft der Zyklen, Kreise und Spiralen, der Innen- und Aussenwelt, des natürlichen Schutzes und der Selbstversorgung, das Leben im Einklang mit der Natur, aus der eigenen Kraft heraus und in Schönheit zu bewältigen.

Die „Prüfungssymptome“
  • unzufrieden, gelangweilt.
  • Kontakt mit fremden Menschen: weniger Angst und Beunruhigung.
  • Verlangen, Hunde zu töten und sie auszuweiden.
  • Verlangen nach Abwechslung, zwischen geistig rege/aktiv und zurückgezogener Stille.
  • Verlangen nach sich selbst, sich selbst zu sein.
  • Verändertes Zeitgefühl.
  • Angst bezüglich Versorgt sein, Geld, Sicherheit.
  • Gefühle etwas wichtiges vergessen und Pflichten vernachlässigt zu haben.
  • Gefühl von Grösse; als ob der Körper grösser ist.
  • Gefühl von Haaren im linken Mundwinkel, auf der Zunge und im hinteren Mundraum.
  • Angst/Sorgen/Beunruhigung wird in den Füssen und auch in den Armen gespürt
  • Schlafrhythmus: zuerst nachtaktiv, dann einpendelnd
  • Wetter stört nicht: komme speziell mit den feucht-regnerisch-kalten-windigen Tagen besser zurecht
„Zentrale“ Themen
  • Die Kraft kommt aus der Mitte
  • erlöstes Einzelgängertum
  • sich selbst genügen
  • Selbstzufriedenheit
  • Selbstverständnis
  • spielerische Leichtigkeit
  • sich selbst ein Lehrer und Heiler sein
  • Schutz
Der „Schattenbär“ oder das verleugnete Selbstbild
  • (sehr) einfach, einfältig oder bin ich ein Tanzbär?
  • (viel zu) kuschelig oder bin ich ein Teddy?
  • (nur) so vor sich hin brummen
  • (ziemlich) interessenlos
  • (ganz schön) träge
  • (irgendwie) blöd
  • (zu) langweilig
  • (nur) allein
  • (zu) ruhig
  • gefrässig
  • (zu) still
Affirmation:

Ich bin allseits geschützt, was immer ich tue.“
Ich vertraue meiner Stärke und Kraft.“

Der „Bärenträumer“

„Überall wo der Bär lebt, galt er als Krafttier. Er war kein gewöhnliches Tier, unter seinem zotteligen Fell verbarg sich eine Menschen- oder gar Götterseele. Er konnte die Gedanken der Menschen verstehen und besass heilende Kräfte.“, schreibt Wolf-Dieter Storl in seinem Buch „Der Bär, Krafttier der Schamanen und Heiler“ (AT-Verlag, Aarau, 278 Seiten. Kartoniert, ISBN 3-03800-245-3, Fr. 27.40, www.at-verlag.ch)

Unter allen Medizinleuten hat der Bärenschamane oder Bärenträumer eine ganz besondere Stellung. Der Bär ist nämlich ein ganz besonderes Tier oder besser, er ist schon
fast ein Mensch. Ein „Halb-Mensch“, Ukuku, nennen ihn etwa die Quechua sprechenden
Indianer in den Anden. Wie Bärenkenner immer wieder berichten, ist jeder Bär eine individuelle Persönlichkeit. Er ist jedoch nicht, wie die menschliche Persönlichkeit, ein abgekapseltes Egowesen, gefangen in einem Netz kulturell vorgegebener, verbaler und symbolischer Konstruktionen. Trotz seiner ausgeprägten Individualität bleibt der Bär innig verbunden mit seiner makrokosmischen Gruppenseele, mit dem grossen Bärengeist, mit der Natur. So ist er auch ein Vermittler zwischen den Welten. So haben ihn auch viele Naturvölker erlebt. Für sie ist der Bär kein blosses Tier; unter seinem Fell verbirgt sich ein göttliches Wesen. Für viele indianische und sibirische Völker, für die Ostjaken, Tungusen, Samojeden und Finnen, ist der Bär ein Mittler zwischen dem Himmelsgott und der Erdgöttin. Der Bär, das Tier der Erde und der Höhlen, ist der Erdgöttin und der fruchtbaren weiblichen Sphäre zugeordnet. Zugleich aber ist er auch der himmlischen Sphäre, der oberen Götter, den befruchtenden Wettergottheiten  zugeordnet. Er ist, wie der echte Schamane, Teil von beiden Welten. Er ist Waldtier und Waldmensch. Er ist der kraftvolle Hüter der Pforten zur Anderswelt. Er ist Bote der Götter und als solcher ein wohlwollender Besucher der mittleren Welt, in der die Menschen leben.

„Lehrer“ der Pflanzenkundigen

In den Augen der Indianer und vieler paläosibirischen Völker kennen die Bären nicht nur die Heilkräuter, sondern sie können dieses Wissen auch an die Menschen weitergeben.
Nicht nur etwa, dass die Menschen diese Tiere beim Ausgraben der Wurzeln und Ausprobieren der Kräuter und Rinden beobachten und daraus ihre Schlüsse ziehen, sondern der Bärengeiste kann auch dem Heiler oder Schamanen Träume schicken und Heilinspirationen vermitteln. Demjenigen, dem unvermittelt ein Bär im visionären Traum erscheint, der ist zum Kräuterheiler oder Pflanzenschamanen berufen.

Der Ojibwa Medizinmann Siyaka erklärte dem Ethnologen Frances Densmore (1928):
Der Bär ist oft recht wild und aufbrausend und doch achtet er auf Pflanzen, die bei anderen Tieren kein Interesse erweckenFür uns ist der Bär aber der Häuptling der Pflanzenheilkunde, und wir wissen, dass ein Mensch, der von einem Bären träumt, ebenfalls zum begabten Pflanzenheilkundigen wird. Der Bär ist das Tier, das am besten die heilenden Wurzeln kennt, da er solch gute Krallen hat, um diese Wurzeln auszugraben.“

Der berühmte Sioux Medizinmann Lame Deer erzählte, dass der Wicasa Wakan, der Schamane, seine Kraft („Medizin“) durch eine Vision oder einen Traum erhält, den ihm ein Tierlehrer zuschickt. „Der Medizinmann kann ein Büffel-, ein Adler-, ein Hirsch- oder ein Bärenträumer sein. Unter den vierbeinigen oder geflügelten Geschöpfen, die dem Menschen Kraftträume schenken, ist der Bär der vortrefflichste. Was Medizin betrifft, ist er der weiseste. Wer von diesem Tier träumt, der kann ein hervorragender Heiler werden. Der Bär ist das einzige Tier, das sich im Traum wie ein Medizinmann verhält, der einem Heilpflanzen zeigt und ganz bestimmte Wurzeln mit seinen Krallen ausgräbt. Oft schickt er den Menschen eine Vision von den Heilmitteln, die sie brauchen.“

Ähnliches erzählte der Medizinmann der Dakota, Two Shields.
Der Bär, der weder vor Menschen noch vor anderen Tieren Angst hat, ist zwar übellaunig, aber er ist das einzige Tier, welches im Traum erscheint und uns die Kräuter zeigt, die den Menschen heilen können.“ Densmore (1928).

Der Tiefenpsychologe würde dazu sagen, wer sich mit dem „Bären“ in der Seele, mit  seinen tief verschütteten Instinkten verbinden kann und zugleich klare, scharfe Sinne hat wie der Bär, der wird leicht Zugang zum Verständnis der heilenden Kräuter erlangen.

Wie sehr der Bär als Heiler und Kenner der Heilpflanzen verehrt wurde, erzählt eine Geschichte der östlichen Waldlandindianer: „Eines Tages erschien ein alter Mann im Dorf. Er kam mit leeren Händen, war hungrig und krank. Er stank und seine Haut war mit Geschwüren bedeckt. Beim ersten Wigwam rief er: „Helft mir, ich brauche Unterkunft und etwas zu essen!“ Man schickte ihn weg, denn man hatte Angst, er würde womöglich die Kinder anstecken. Beim zweiten Haus erging es ihm nicht anders, auch hier jagte man ihn fort. So ging es im ganzen Dorf, niemand wollte ihn aufnehmen. Einzig beim letzten Haus hatte er Erfolg. Eine arme Frau, die nur wenige Verwandte hatte und in einem winzig kleinen Wigwam am Dorfrand lebte, hatte Erbarmen, lud ihn ein, gab ihm zu essen und einen Schlafplatz. Da er am nächsten Tag noch kränker war als zuvor, versuchte sie ihn mit den ihr bekannten Mitteln zu heilen. Es half nicht, er wurde noch kränker. Nach mehreren Tagen erzählte er eines Morgens, dass der Grosse Geist ihn in einem Traum eine Heilpflanze sehen liess, die ihm helfen würde. Der Alte beschrieb die Pflanze ganz genau, und die Frau suchte und fand sie im Wald. Mit einem Gebet und kleinem Ritual erntete sie die Pflanze und bereitete die Medizin. Nachdem er diese zu sich genommen hatte, ging es ihm besser. Nach einigen Tagen war er gesund und wollte sich verabschieden. Doch plötzlich hatte er einen Fieberanfall und wurde abermals krank. Wieder halfen die Mittel, welche die Frau kannte, nicht. Er lag schon am Rande des Todes, als er wieder im Traum eine Heilpflanze sah. Wieder holte die Frau das angegebene Kraut, wieder wurde er gesund. Als er sich abermals verabschieden wollte, fing er an zu zittern und musst sich plötzlich übergeben. Wieder war er krank, wieder erträumte er die richtige Heilpflanze. So ging es ein ganzes Jahr lang. Dann – endlich – war er wirklich ausgeheilt. Er stand von seinem Lager auf und drehte sich noch einmal um, ehe er zur Tür hinausging und sagte: „Der Grosse Geist hatte mir gesagt, es sei jemand in diesem Dorf, dem ich beibringen soll, wie man Kranke mit Kräutern heilt. Ich wurde zu dir gesandt, um dich zu lehren. Das habe ich getan.“ Er schritt hinaus ins Sonnenlicht, und die Frau schaute ihm verblüfft nach. Gerade als der Alte im Wald verschwand, verwandelte er sich in einen grossen Bären. Es war der Bärengeist gewesen, der die Frau zur Kräuterheilerin berufen hatte.

Der Bärenschamane oder Bärenträumer ist aber nicht nur ein Meister der Heilkräuter, er kann, wie bei den Germanen, den Römern und den Kelten, auch die Krieger inspirieren und ihnen Mut, Kraft und Besonnenheit im Kampf gewähren. Weitere Geschichten finden Sie im genannten Buch: oder auf dem Hörbuch „Bärenkraft“ Bärengeschichten, Bärenschamanen, Bärenmedizin 2009, 78 min. herausgegeben in Kooperation mit dem Spuren Verlag – www.shunyata.ch – Wolf-Dieter Storl – www.storl.de – Fr. 27.40

Der Bär in der Schweiz

Wieder hat ein Bär die Schweiz besucht: M13 ist ein Jungtier von zwei Jahren. Er stammt aus dem Trentino, wo heute rund 30 Braunbären leben. Inzwischen ist er nach Österreich weitergewandert. Doch eines ist klar: Der nächste Bär kommt bestimmt. Im April wurde M13 erstmals im Unterengadin gesichtet. Seither streift der Bär im Dreiländereck zwischen Tirol, Südtirol und Engadin umher. Altersgerecht zeigt er sich sehr neugierig und erkundet seine Umgebung. Dabei kommt er auch Dörfern nahe. Vereinzelt hat er Bienenstöcke ausgeraubt und eine Ziege gerissen. Deshalb hat die Wildhut des Kantons Graubünden den Bären in der Nacht auf den 12. April betäubt, mit einem Sender ausgestattet und danach gezielt vergrämt. Dabei wurde M13 mit Gummischrot beschossen, damit er den Siedlungen nicht mehr zu nahe komme. Gleichzeitig haben die Behörden die Bewohner der betroffenen Dörfer dazu aufgerufen, keine Siedlungsabfälle liegen zu lassen und Futter
für den Bären unerreichbar aufzubewahren. Inzwischen ist M13 weitergewandert und in Pfunds in Nordtirol gesichtet worden. Wie gefährdet diese wandernden Bären sind, zeigt das Schicksal seines Bruders: Eben ist M14 auf der Brenner Autobahn bei Klausen in Südtirol von einem Mercedes angefahren und getötet worden.

Der WWF hofft, dass sich der Kanton Graubünden auf einwandernde Bären vorbereitet. Diese naturnahe Region profitiert vom Bären, es gibt Bärenwege, ein Bärenmuseum und weitere Angebote. Jetzt geht es darum, dass auch ein echter Bär Platz hat, ohne dass er zu Schaden kommt.

Vom richtigen Umgang mit Bären

Die Menschen müssen den Umgang mit Grossraubtieren wieder lernen.

Amateurfilmaufnahmen zeigen, dass Personen aus ihren Autos aussteigen und den Bären aus wenigen Metern filmten oder fotografierten. Das ist falsch! Bären gegenüber sollte immer Distanz gewahrt werden, damit sie die Scheu vor den Menschen nicht verlieren. Ein Bär ist kein Kuscheltier, ebensowenig ist er eine Bestie. Bären sind faszinierende Grossraubtiere, denen man Respekt zollen sollte. Begegnet man einem solchen Tier, gilt: Abstand halten, das Tier nie verfolgen und ihm die Chance lassen, sich zurückzuziehen. Der WWF Schweiz rät, die Situation nicht zu dramatisieren. In vielen Ländern leben Menschen und Bären problemlos nebeneinander. Ausserdem sind das Unterengadin und das Val Müstair bereits gut vorbereitet: So gibt es beispielsweise bärensichere Abfalleimer, gesicherte Kompostplätze und Bienenstöcke, die mit einem Elektrozaun geschützt werden.

„Leben“ mit Bären

Trotzdem müssen sich die Bewohner auf die neue Situation einstellen. Wichtig ist vor allem, dass sie keine Essensreste in den Gärten oder in den Siedlungen liegen lassen, damit der Bär Siedlungen nicht mit Nahrung gleichsetzt. M13 ist wie JJ2 und JJ3 ein Nachkomme aus dem „Life Ursus“-Projekt, welches das Ziel hatte, die letzten Alpenbären zu retten. Dazu wurden zwischen 1999 und 2002 insgesamt zehn Bären aus Slowenien in den Naturpark Adamello-Brenta überführt und mit den drei Bären vor Ort  zusammengeführt. Mittlerweile hat sich eine Population von 30 Bären entwickelt. Diese sind gesund und auch genetisch noch nicht verarmt, erklärt Joanna Schoenenberger, Grossraubtier-Expertin beim WWF Schweiz. In Europa leben derzeit etwa 50.000 Bären, davon leben aber nur etwa 14.000 ausserhalb von Russland. Die grössten zusammenhängenden Populationen leben in Osteuropa. In den Alpen leben heute nur wenige Braunbären. Eine kleine Population von 8-10 Tieren befindet sich in den slowenischen Alpen im Grenzgebiet zu Italien und Österreich, eine weitere in den Zentralalpen im westlichen Teil der Provinz Trentino in Norditalien. Die Trentiner Population war bis vor wenigen Jahren stark dezimiert und vom Aussterben bedroht, weshalb man zwischen 1999 und 2002 insgesamt 10 slowenische Bären aussetzte. Heute gibt es dort wieder zwischen 20 und 25 Bären. Langfristiges Ziel dieser Wiederansiedlung ist der Aufbau einer überlebensfähigen Bärenpopulation in den Zentralalpen.
Dies ist nur möglich, wenn ein Austausch über den Alpenbogen zwischen der Slowenischen und Trentiner Population stattfindet. Eine dritte kleine Alpenpopulation lebt in Österreich im Gebiet der nördlichen Kalkalpen. Die dort lebenden Bären wurden wieder angesiedelt. Nach anfängliche Erfolgen und mehreren nachgewiesenen Geburten ist die Situation derzeit prekär: Ende 2007 konnten nur mehr 2 Bären nachgewiesen werden. Der Fortbestand der Alpenbären-Population ist also nach wie vor gefährdet, denn die drei Populationen leben isoliert voneinander und weisen nur eine geringe Individuenzahl auf. Im Dreiländereck wandern seit 2005 immer wieder junge männliche Bären aus der Trentiner Population ein. Das Projekt Ursina unterstützt als Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in den Alpen die natürliche Rückkehr des Braunbären in diese Gebiete. Anfang 2008 hielten sich mindestens drei Bären im Dreiländereck und weitere zwei in unmittelbarer Nähe zur Schweiz auf.

www.wwf.ch   www.ursina.org   www.kora.ch
wwf.ch/de/aktuell/news/baer_schweiz.cfm

Die Familie der Bären

Ursus arctos arctos: Eurasischer Braunbär.
Ursus arctos horribilis: Grizzlybär.
Ursus maritimus: Polarbär, Eisbär.
Ursus americanus: Amerikanischer Schwarzbär.
Ursus arctos syriacus: Syrischer Braunbär.
Ursus arctos pruinosus: Tibetischer Blaubär.
Ursus arctos thibetanus: Asiatischer Schwarzbär.
Ursus arctos crowther: (ausgestorben)= (†).
Ursus arctos nelsoni: Mexikanischer Silber Grizzly (†).
Ursus arctos isabellinus: Himalayanischer Braunbär.
Ursus arctos lasiotus: Ussuribraunbär, Amurbraunbär,
Schwarzer Grizzly, Pferdebär.
Ursus arctos alascensis: Alaska Braunbär
Ursus arctos middendorffi: Kodiakbär,
Ursus arctos americanus: Amerikanischer Braunbär.
Ursus spelaeus: Höhlenbär (†).
Ursus ursus africanus: Afrikanischer Braunbär.
Ursus arctos pyrenaicus: Iberischer Braunbär.
Ursus arctos beringianus: Kamtchatka Braunbär.
Ursus arctos californicus: Californischer Goldbär (†).
Ursus arctos collaris: Ostsibirischer Kragenbär.
Ursus arctos stikeensis: Sitkainselbär, Baranofinselbär.
Helarctos malayanus malayanus: Malaien-, Sonnenbär.
Helarctos malayanus euryspilus: Borneosonnenbär.
Ursus melursus ursinus: Lippenbär.
Ailuropoda melanoleuca: Grosser Pandabär.
Ailurus fulgens: Kleiner Panda, Katzenbär.
Phascolarctos cinereus: Koalabär.
Procyon lotor: Waschbär.
Und nochmals so vielen weiteren ausgestorbenen Repräsentanten. Vom Ursus minimus (†) zum Ursus abstrusus (†) bis Ursus maritimus tyrannus (†), u.s.f.

Bären in der „freien“ Natur

Die Chancen, dass Sie einem Bären in der freien Natur begegnen, sind gering. Der Bär ist von Natur aus ein scheues Tier, in der Regel geht er Menschen aus dem Weg. Trotzdem kann es zu Begegnungen kommen. Die Verhaltensregeln vom WWF Schweiz helfen Ihnen, in Regionen mit Bären sicher unterwegs zu sein.

So vermeiden Sie Begegnungen mit Bären in Bärengebieten.

- Informieren Sie sich beim kantonalen Amt für Jagd- und Fischerei über die
Anwesenheit von Bären, sollten Sie von einer solchen gehört haben.
- Bleiben Sie auf den Wanderwegen
- Meiden Sie dichtes Beerengebüsch oder abgelegene Pilzgründe.
- Mache Sie mit Sprechen oder unaufgeregtem Lärm auf sich aufmerksam.
- Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine.
- Lassen Sie keine Essensresten oder Abfälle liegen.

Was tun, wenn Sie einen Bären sehen

- Bleiben Sie ruhig stehen.
- Machen Sie mit möglichst natürlichem Reden auf sich aufmerksam.
- Ziehen Sie sich langsam zurück (niemals rennen, Bären sind viel schneller als wir!)
- Vermeiden Sie alles, was der Bär als Bedrohung auffassen könnte
(Stock rumfuchteln, Steine werfen, schreien..)
- Locken Sie niemals freilebende Bären mit Futter an.
- Verzichten Sie zugunsten ihrer Sicherheit auf ein Foto.
- Verfolgen Sie niemals einen Bären, der sich zurückzieht.

Was tun, wenn ein Bär angreift

- Auf den Bauch legen.
- Mit Händen oder Rucksack den Nacken schützen
- Die wenigen Bärenattacken auf Menschen sind meist Scheinattacken.
Nach Scheinattacken den Bären auf mind. 50 m zurückziehen lassen und sich dann langsam entfernen.

Besonders gefährliche Situationen

- Bärin mit Jungtieren.
- Verletzter Bär.
- Bär, der beim Fressen gestört wird.
- Bär, der in seiner Winterruhe gestört wird.
- Bär, dem ein Hund zu nahe kommt.
- Bären die aufstehen, nehmen Witterung auf. Es ist dies keine Drohgebärde.

Der Braunbär (Ursus arctos) ist von Natur aus scheu. Begegnungen mit Menschen sind deshalb äusserst selten. Beim Entdecken von Bären oder frischen Bärenspuren wie Pfotenabdrücke oder Kot besteht eine Meldepflicht. Dokumentieren Sie die Spuren, notieren Sie den Fundort und informieren Sie das kantonale Amt für Jagd- und Fischerei.

Sicher unterwegs im Bärenland

Bärenbegegnungen sind selten, denn Bären sind von Natur aus scheu. Dank ihrem ausgezeichneten Geruch- und Gehörsinn können sie Menschen rechtzeitig aus dem Weg gehen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Bären zu treffen, ist darum gering. Wenn ein Bär sich aufrichtet, ist das keine Drohgebärde. Der Bär verschafft sich dadurch einen besseren Überblick, indem er seine Nase in den Wind hält. Gefährlich kann es werden, wenn Bären überrascht werden, insbesondere dann, wenn sie Futterquellen oder ihre Jungen verteidigen. Bären sind Allesfresser. Sie ernähren sich zu drei Viertel vegetarisch und zu einem Viertel von Tieren. Ihr Geruchssinn ist sehr ausgeprägt. Bären sind zudem äusserst lernfähig und opportunistisch. Haben Bären einmal gelernt, dass es in der Nähe von Menschen Futter gibt, verlieren manche ihre natürliche Scheu und suchen immer wieder diese Futterquellen auf. Verhaltensforscher bezeichnen solche Bären als futterkonditioniert. Sie brechen Mülltonnen auf, reissen Kleinvieh in unmittelbarer Nähe des Menschen, dringen in Kleintierställe ein und rauben Hühner. Gerade beim verlockenden Abfall und Kompost ist ein bärensicherer Umgang darum wichtig.

Abfall und Kompost

- Lassen Sie keine Haushaltabfälle und kein Tierfutter im Freien.
- Schlissen Sie Abfallkübel, bzw. Container in der Nacht in Räumen (z. B. Keller) ein.
- Abfallkübel bärensicher ausstatten.
- Entfernen Sie Kübel von Siedlungen.
- Zerkleinern Sie den Kompost damit er rasche verfault.

Allgemeine Regeln

- Überraschen Sie einen Bären nicht.
- Vermieden Sie dichtes Gebüsch, wo der Bär Sie nicht riechen kann. Machen Sie etwas Lärm, wie laut sprechen oder singen.
- Füttern Sie keine Bären und lassen Sie keine Essensresten zurück.
- Nehmen Sie Hunde an die Leine.
- Wenn Sie auf einen Bären treffen, machen Sie mit ruhiger Stimme auf sich aufmerksam. Ziehen Sie sich langsam rückwärts zurück. Rennen Sie nicht!

Für Wanderer sind Kühe gefährlicher als der Bär

Medienmittelung der sda vom 27. Juli 2012: Harmlos scheinende Kühe haben jüngst im Wallis und im Kanton Solothurn Wanderer angegriffen. Insbesondere Mutterkühe können aggressiv reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen. Werden aber die wichtigsten Verhaltensregeln beachtet, lassen sich Angriffe praktisch ausschliessen.

Weil einerseits immer mehr Mutterkühe gehalten und andererseits die Zahl der Wanderer und Biker stetig zunimmt, kommen sich Mensch und Kuh immer häufiger ins Gehege. Dass trotzdem kein markanter Anstieg bei den Angriffen zu verzeichnen ist, wertet Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung und Landwirtschaft (BUL) als Zeichen dafür, dass die „Prävention greift“.

Mit einer Checkliste für Rindviehhalter und Wanderwegverantwortliche sowie Warntafeln und Merkblättern für Wanderer versucht die Beratungsstelle die Gefährdung durch Rindvieh zu verringern.

Die wichtigsten Verhaltensregeln für die Wanderer lauten: Distanz halten, Kälber nicht berühren, Hunde an der Leine führen. Bei Befolgen dieser Regeln lässt sich gemäss Feldmann ein Angriff praktisch ausschliessen. Im Juli ist es auf einer Walliser Alp sowie im Kanton Solothurn zu zwei Mutterkuh- Attacken gekommen, bei denen sich jeweils eine Person erheblich Verletzungen zugezogen hat.

Dazu kommen drei Attacken mit Verletzungsfolge aus dem vergangenen Jahr. Die Zwischenfälle werden zusammen mit dem Verein Mutterkuh Schweiz, den Schweizer
Wanderwegen sowie dem Bauernverband ausgewertet, so Feldmann.

Bären haben Angst vor Menschen

Wenig zu befürchten haben Wanderer entgegen der weitverbreiteten Meinung vor den gemeinhin als gefährlich geltenden Wildtieren, die in der Schweiz vorkommen – dem Braunbären, dem Wolf und dem Luchs. Sie alle fürchten sich vor dem Menschen, wie Philippe Steiner vom Westschweizer Sekretariat von Pro Natura auf Anfrage sagte.

Wie sich allerdings im Fall des Jungbären „JJ3“ gezeigt hat, können die Tiere bei ihrer Nahrungssuche in bewohnte Gebiete vorstossen, ihre natürliche Scheu überwinden und zu „Problembären“ werden. Das „Konzept Bär“ des Bundes sieht in diesem Fall den Abschuss vor. Bei der Begegnung mit einem Bären sollte der Wanderer ruhig an Ort und Stelle verweilen und nicht auf das Tier zugehen. Kommt es zu einem Angriff, sollte man sich regungslos auf den Bauch und den Kopf mit den Händen schützen.

Flucht ist kein zweckvolles Mittel

Philippe Steiner warnt im unwahrscheinlichen Fall einer Bärenattacke davor, das Heil in der Flucht zu suchen, da der Bär viel schneller läuft als der Mensch. Ein Baum ist ausserdem kein geeigneter Zufluchtsort – Bären sind vorzügliche Kletterer.

Zurzeit hält sich mit dem zweieinhalbjährigen Männchen M13 ein Braunbär in der Schweiz auf. Er war erstmals am Ostersamstag im Unterengadin aufgetaucht und wurde kürzlich im Schweizer Nationalpark beobachtet. Keinerlei Gefahr für die Wanderer stellt der Wolf dar. Attacken auf Menschen seien nur in Rudeln möglich, sagte Steiner. Wolfsrudel wurden bisher in der Schweiz noch nicht beobachtet. Praktisch ausgeschlossen werden die Begegnung mit einem Luchs – zumindest bei Tageslicht.

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